Mrz 242011
 

Ivan Rakitic (Interview) wechselte vor knapp sieben Wochen zum FC Sevilla. Schaut man auf seine Statistiken, muss man ihm einen absoluten Traumstart attestieren. Neben dem 1:1 gegen Barcelona, das er mit einem Hackentrick vorbereitete, bleibt der Siegtreffer gegen Valencia in Erinnerung. Doch in Spanien droht ungemach. Rakitic und seine Arbeitskollegen werden wohl am nächsten Spieltag nicht spielen, denn:

In den spanischen Ligen wird mit Streik gedroht!

Ok. Die Fußballmillionäre auf der iberischen Halbinsel kriegen den Hals mal wieder nicht voll, habe ich mir gedacht. Pustekuchen. Der Streik wird von den Vereinen angeführt und nicht von den Spielern bzw. der Spielergewerkschaft.

Grund für die außergewöhnliche Aktion sind die zu niedrigen TV-Einnahmen. Nur 620 (!!!) Millionen Euro erhalten die spanischen Clubs pro Jahr. Skandal! Man wolle in Zukunft mindestens 800 Millionen Euro kassieren. Zum Vergleich: Die deutschen Proficlubs erhalten derzeit 400 Millionen pro Jahr. Um das Pay-TV attraktiver zu machen, soll das einzige Free-TV-Spiel der spanischen Liga am Samstag Abend geopfert werden. Zudem plant man 10 (!) verschiedene Anstoßzeiten einzuführen. Ein Graus für jeden Fußballfan. Die Habgier der eh schon hoch verschuldeten Vereine scheint ins Unermessliche zu steigen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Barcelona und Real, die Anführer der Meute, durch die dezentrale Gelderverteilung eh schon einen Löwenanteil der Summe erhalten. Auch hier spielen die beiden Topclubs in einer anderen Liga. Man könnte auch die These aufstellen, dass sie es gerade deswegen die Meisterschaft Jahr für Jahr unter sich ausmachen. Der Teufel scheißt in Spanien konsequent auf den dicksten Haufen.

Werden die Forderungen nicht erfüllt, möchten die Vereine ihre Spieler am Spieltag nach dem Länderspielwochenende wohl nicht auf das Feld schicken. Die Folgen könnten sogar für den S04 spürbar werden. Sollten wir ins Champions League Finale kommen – davon gehe ich jetzt einfach mal aus- und der Endspielgegner Real Madrid oder Barcelona heißen, müssten sich die Teams entscheiden. Champions League oder Meisterschaft?Vielleicht schickt Barca dann ja die A-Jugend nach Wembley. Gewonnen hätten wir dann allerdings wohl auch noch lange nicht.

Was bedeuten diese Entwicklungen für den deutschen Fußballfan? Zunächst einmal kann man froh sein, nicht nur die ausgeglichenste Liga der Welt zu haben, sondern auch eine der fanfreundlichsten Spielklassen. Natürlich wünschen sich die Vereine mehr TV-Gelder, um besseren Spielern noch höher dotierte Verträge anzubieten. Kann man ja auch nachvollziehen. Doch auch die Manager wissen den Fan mittlerweile sehr viel mehr zu schätzen. Man weiß um die Attraktivität voller Stadien. Denn auch bei den Top-Spielern hat sich herumgesprochen, dass in Deutschland die Stimmung besonders gut ist und auch die Gehälter pünktlich gezahlt werden. Wer will denn in einer Liga spielen, wo beim Abstiegsduell gerade mal 12.000 Zuschauer den Weg ins Stadion finden, während der Meister im Schnitt knapp 80.000 Zuschauer auf seine überteuerten Ränge lockt? Die Verhältnismäßigkeit stimmt in Spanien schon lange nicht mehr. Auf den spanischen Fan wird keine Rücksicht mehr genommen. Eine Entwicklung, die es in Deutschland zu verhindern gilt.

 Posted by on 24. März 2011 at 08:16

  One Response to “Rakitic darf nicht ran”

  1. Wie bringt man zehn Anstoßzeiten im Kalender mit CL und EL noch unter? Ist doch bei uns schon so, dass man in bestimmten Wochen an jedem Abend Fußballgucken kann. Oder stellen die sich das so vor, dass die Spiele nicht mehr parallel sondern hinter einander weg stattfinden? Danke jedenfalls für den informativen Beitrag. Wir in meinem Fußballfreundeskreis diskutieren das öfters, wie glücklich wir uns schätzen, die ausgeglichene Bundesliga zu verfolgen. Und auch da muss man sich genug Grottenkicks reinziehen um durch ein Highlight belohnt zu werden.

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