Nov 242010
 

Beim FC Schalke geht es eigentlich immer drunter und drüber. Wenn es einmal ruhig auf Schalke ist, dann läuft irgendetwas schief. Zur Zeit ist es der sportliche Misserfolg, der die Wogen auf der Geschäftsstelle höher schlagen lässt.

Doch auch hinter den Kulissen brodelt es. Hört man sich heute auf der Geschäftsstelle um, so stellt man fest, dass man dort mittlerweile zum lachen in den Keller geht. Es herrscht eine Stimmung der Unsicherheit und des Misstrauens. Die Schalker Familie scheint entzweit und der Grund heißt: Felix Magath.

Es ist nicht die Person Magath an sich, sondern der Dunstkreis an Personen, die den allmächtigen Zampano umgeben. Seit Dienstantritt installierte Magath praktisch in jedem Ressort des Vereins Personen aus seinem Umkreis. Die Liste ist lang und man fühlt sich bespitzelt, denn keiner weiß, was genau an Magath weiter geleitet wird. Selbst Spieler schließen lieber hinter sich die Tür, wenn es um interne Belange geht. Das macht der Schalker-Fan-Seele zu schaffen. Vor allem, wenn altgediente Ur-Schalker wie Rolf Rojek, wenn sie der Führungsetage zu unbequem wurden, kurzerhand ihren Hut nehmen müssen und Pressesprecher, wenn sie intern über den FC Schalke 04 sprechen, auch gerne mal das Wort “ihr” statt “wir” in den Mund nehmen.

Es geht aber nicht nur um Personen. Es geht um traditionelle Veranstaltungen, die nicht mehr vom SFCV, sondern von irgendwelchen wildfremden Marketingagenturen aus dem Ländle übernommen werden. Angefangen bei den sehr beliebten Regionaltreffen, hat Magath die kompletten Strukturen zwischen Fans und Verein umgekrempelt. Die dritte Halbzeit wurde hart erkämpft und erweist sich als durchaus erfolgreich. Die blau-weissen Nächte, das Highlight für königsblaue Anhänger, die mit in die Trainingslager fahren, werden in unpersönliche Event-Meetings verwandelt, die Eintritt kosten. Wo vorher eine familiäre Atmosphäre herrschte, stehen nun Securities, teilweise mit vierbeiniger Verstärkung, und kontrollieren die Seele des Vereins. Die Stimmung ist dahin, denn der DJ hat  keine Schalke-Lieder dabei und die Live-Band nix Vergleichbares im Repertoir. Immerhin liegt das Vereinslied auf DIN A4-Zetteln auf den Tischen. Falls jemand nochmal nachschauen muss, ob Mohammed denn ein Pamphlet oder ein Prophet war.

Schlussendlich wird die Saisoneröffnung mit dem unbeliebten T-Home-Cup auf einen Tag gelegt. Die Arena bleibt für Familien zu, die sich die Karte nicht leisten können und trotzdem einfach mal diese beeindruckende Architektur von Innen betrachten wollen. Stattdessen langweilt sich eine halb-gefüllte Arena bei dem müden Gekicke zu Tode und amüsiert sich mehr über sich gegenseitig verprügelnde Maskottchen, denn über die gezeigten Leistungen auf dem Platz.

Bei sportlichem Erfolg hält man da gerne still, denn die Mannschaft, der Trainer, ja der Verein an sich, macht, was er soll: Er hat Erfolg. Ist dies nicht der Fall, dann sind solche Aktionen für das königsblaue Herz sehr schmerzhaft.

Mir persönlich macht  etwas anderes viel mehr zu schaffen: Was passiert, wenn die sportliche Talfahrt weiter geht? Wenn “die Mechanismen greifen”, Tönnies die Notbremse zieht und zunächst den Manager Magath und dann auch den Trainer Magath entlässt? Kann man dann hinter ihm die Tür zu ziehen? Klar ist, dass die Trainergarde mitgehen würde. Doch was ist mit dem Rest? Kann sich der S04 so viele Beurlaubungen überhaupt leisten? So richtig scheint das niemand zu wissen und das hinterlässt ein flaues Gefühl im Magen…

 Posted by on 24. November 2010 at 12:22

  5 Responses to “Die Ära Magath”

  1. Ungeachtet des momentanen Erfolgs sollte man in Zukunft diese von der Agentur ausgericheten “Events” boykottieren, dann regelt sich alles von alleine. Nur, wer ist so konsequent, wer zeigt hier wirklich Solidarität mit dem SFCV. Ich denke, dass die meisten den Mainstream-Scheiss mitmachen…….

    • Das stimmt so nicht. In der Steiermark wurde ein alternatives Treffen angesetzt. Das von der Stimmung her sehr viel besser gewesen sein soll.

      Grundsätzlich hat Magath hier unnötige Baustellen aufgemacht: Anstatt die starken Strukturen des SFCV zu nutzen, will er “sein Modell” durchdrücken. Das klappt bei einer schwachen Fanbasis Wolfsburg, aber anscheinend nicht beim S04. Und das ist gut so.

  2. […] liegt es an Magath? An gebrochenen Strukturen? Gestern schrieb Tobi einen interessanten Artikel, den ich aber so gar nicht lesen wollte. Den Anblick verträgt meine königsblaue Brille gerade […]

  3. Ich denke man kann aber auch hier nicht alles nur schwarz-weiß sehen, denn ich wage zu bezweifeln, dass alles was der SFCV so anstellt ALLEN Fans gefällt. Da fallen nämlich auch mal gerne welche hinten rüber, nämlich die nicht organisierten, die sich dann mitunter auch wie Fans zweiter Klasse vorkommen müssen…

  4. […] Pressesprecher von Felix Magath Schalke 04 und vor allem bei den organisierten Fans wegen der Rojek-Affaire überhaupt nicht beliebt. Aufgrund der jüngsten Ereignisse über das angebliche Ende von Felix […]

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