Okt 012010
 

Die Auswärtsfahrt nach Nürnberg war ist für Schalker der alten Schule auch immer noch ein Treffen mit alten Freunden. Auch wenn das mittlerweile nicht mehr von allen so gesehen wird. Die Fanfreundschaften in Deutschland leiden an der Verkommerzialisierung des Sports, an mangelnder Pflege von Traditionen und – aufgepasst – an den Ultras.

Das ist zumindest meine Meinung und überhaupt nicht negativ gemeint. Damals, als es noch keine Ultras-Bewegung gab, sondern nur den ganz normalen Fan, der einfach mehr oder weniger verrückt nach seinem Club war, brauchten eben diese Fans einen gewissen Zusammenhalt, der sich in Freundschaften mit anderen Fanlagern verfestigte. Wenn man fragt, wie gerade diese Freundschaft mit dem Glubb zustande gekommen ist, dann wird man sicher viele Geschichten hören. Die meisten triefen nur so von Fußball-Romantik. Da hat der eine Fan dem anderen spontan Unterkunft angeboten, als der letzte Zug nach Nirgendwo vor der Schnapsnase wegefahren ist. Als Dank hat man dann den letzten Schluck Dosenbier geteilt und sich gegenseitige, ewige (Fan)Freundschaft geschworen Manifestiert wurde das Ganze dann wohl noch mit dem oblogatorischen Tausch der damals noch handgestrickten Fanschals. Einem wahren Fußball-Fan kommen da die Tränen. Ob der Rest der Kurve damit einverstanden war, hat nicht interessiert. Schließlich waren Fanfreundschaften in den 80er und 90er Jahren so “cool”, dass man auf der Südtribüne des Westfalenstadions auch Schals von 1860, dem HSV, Freiburg und Celtic Glasgow sehen. Man fühlte sich in jedem Bett zu Hause…

Heute haben die, die alte Traditionen und die Geschichte ihrer Vereine hochhalten, ganz andere Probleme. Sie kämpfen gegen zu hohe Eintrittspreise, gegen die Aufrechterhaltung ihrer eigenen Fankultur und gegen bundesweite Stadionverbote. Dabei kämpft längst nicht mehr jede Ultras-Gruppe für sich. Es wird und muss gemeinsam dagegen vorgegangen werden. Man Solidarisiert sich sogar mit dem ehemaligem “Feind”. So haben es die Ultras-GE vor dem Derby für nötig befunden, gemeinsam mit den Schwach-Gelben-Anhängern aus der Wellblechhütte, gegen die hohen Eintrittpreise publik zu machen. Vor 20 der 30 Jahren ein Ding der Unmöglichkeit. Man merkt auf einmal, dass der Feind im selben Boot sitzt. Und zwar direkt am Schlag. Der Freund sitzt nicht mehr neben einem. Dem nickt man heute nur noch freundlich zu, wenn man sich über den Weg läuft.

 Posted by on 1. Oktober 2010 at 11:30

  2 Responses to “Im selben Boot?”

  1. “Auch wenn das mittlerweile nicht mehr von allen so gesehen wird.”

    Da will ich noch was zu sagen. In der Tat sah und sehe ich das so als Autor des angesprochenen Artikels und aus meiner Perspektive. Andererseits hat sich gerade rund um diesen Artikel eine interessante Diskussion ergeben, die mir – im Übrigen zu meiner Freude – gezeigt hat, dass es durchaus noch viele gelebte Fanfreundschaften gibt, die das Verhältnis zwischen Schalke und dem FCN zu was besonderem machen. Auch wenn es vielleicht nicht mehr so in der Breite der Fall ist, sind doch die kleinen Dinge machmal die schönen Dinge im Leben.

    • Die Fanfreundschaft ist auch nicht tot. Sie wird es auch nie sein. Allerdings behaupte ich mal, dass sich nachfolgende Fan-Generationen daran nicht mehr so sehr halten werden. Das bekommt man ja heute schon mit.

 Leave a Reply

(erforderlich)

(erforderlich)

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>