1000 Feuer in der Nacht
Dem HSV zollt man Respekt, bei den Hoffenheimern geht es viel zu schnell, vom Leverkusener Kombinationsfussball ist man entzückt, wie man es in den letzten Jahren eigentlich nur von Bremens Zauberfussball gewesen ist. In Berlin wissen sie selber nicht so genau, warum man da steht, wo man gerade steht und die Wölfe spielen gerade so auf, wie es der FC Bayern nur zu gern machen würde.
Dann kommt mein FC Schalke. Und bei dem muss man sich Fragen, wo man zuerst den Feuerlöscher ansetzen sollte.
Da wäre zum einen das 1:1 gegen den HSV, das bereits die vierte Punkteteilung in dieser Saison war. Hier muss man auch erwähnen, dass in den letzten drei Spielen lediglich 2 Punkte rausgesprungen sind. Zu wenig. Fred Rutten ist deshalb in Erklärungsnot. Ebenso beim Thema Aufstellung bzw. System. Spätestens heute muss auch Rutten klargeworden sein, dass drei Mittelfeldstrategen mindestens einer zu viel ist. Wir brauchen eine kreative Station im Mittelfeld. Wenn nicht Rakitic, dann von mir aus Ze Roberto, denn vor allem Farfan, aber auch Altintop brauchen noch einen, mit dem sie schnell und auf engem Raum kombinieren können. Das Spiel nach vorne war auch heute wieder sehr viel Aufwand mit zu wenig daraus resultierendem Ertrag. Die Effizienz geht dem Schalker Spiel eigentlich völlig ab. Nur bei Standards nicht.
Kommen wir zu den lodernden Flammen im blau-weissen Spielerpersonal. Da ich mir das Positive bis zum Ende des Absatzes aufbewahren möchte, fang ich ganz vorne an. Kevin braucht Hilfe. Und das meine ich hier ernst. Als Werbefigur und Teenie-Schwarm kam Kuranyi 2005 zum FC Schalke. Gestern, knapp drei Jahre später, ging er in der 63. Minute vom Platz und wurde von knapp 52.000 Menschen ausgebuht. Die waren allerdings nur stellvertretend im Stadion für eine ganze Fussballnation, die dem Fahnenflüchtigen gebührend verabschiedete. Kuranyi ist zum zweiten Mal in seiner relativ jungen Karriere am Tiefpunkt angelangt. Den einen hat er seiner durchschnittlichen Leistung in der Saison 2005/06 und einem Querkopf names Jürgen Klinsmann zu verdanken. Der Tiefpunkt, an dem er jetzt angekommen ist, hat er sich mit seinem unsauberen Abgang sicherlich zum Teil auch selbst zuzuschreiben. Der Rest geht auf die Kappe der Medien, des Bundestrainers Jogi Löw und uns Fussballfans. Vor allem wir Schalker müssten uns eigentlich was schämen. Wir haben unter anderem dafür gesorgt, dass fast ganz Fussballdeutschland den Respekt vor der Person Kevin Kuranyi verloren hat. Denn wem soll man es Übel nehmen, einen Spieler auspfeifen, dem schon im eigenen Stadion regelmäßig bei jeder missglückten Aktion hörbaren Missmut von der eigenen Anhängerschaft entgegenschläg? Ebenfalls stellvertretend, aber diesesmal für Deutschlands Meinungsmacher, genoss Marcell Reif gestern die schwache Vorstellung des Stürmers. Ich habe selten so eine Abfälligkeit und Respektlosigkeit in den Worten eines Journalisten gehört. Auch Sie sollten sich schämen, Herr Reif!
Im Mittelfeld heisst das Sorgenkind Orlando Engelaar. Sicher hat er gestern auch einige feine Pässe geschlagen, aber der Holländer hat nicht nur beim 1:0 große Schwächen in Sachen Reaktionsschnelligkeit und vor allem Tempo aufgezeigt. Der Aussetzer war eher symptomatische für den Eindruck, den Engelaar bisher in der Bundesliga macht. Im falsch besetzten Mittelfeld muss er Streichkandidat Nummer 1 sein, denn sowohl Jones als auch Ernst waren sowohl defensiv als auch offensiv stärker als Engelaar.
Die Abwehr hat heute zwei Gewinner. Bennedikt Höwedes und Manuel Neuer. Die U21-Helden waren auch gestern maßgeblich am Punktgewinn beteiligt. Neuer durch gute Reflexe, sicherem Stellungsspiel und unfassbar weiten Abwürfen. Benedikt Höwedes machte ebenfalls eine gute Figur. Beim Kopfballtor zum 1:1, aber auch sonst mit einem guten Spiel. Sorgen bereitet da schon eher Marcello Bordon, der zwar nur im Spiel gegen Köln richtig schlecht spielte, aber in den letzten Spielen mehr und mehr Unsicherheiten zeigte
Fazit: Auf Schalke läuft es nicht Rund. Ganz und gar nicht. Es brennt zwar noch nicht lichtaloh und man sollte sich auch nicht so viele Sorgen machen, wie man sie sich beim FC Bayern machen sollte, aber es gibt angenehmere und vor allem ruhigere Arbeitsathmosphären. Begonnen hat es mit dem Mittelfussbruch von Manuel Neuer. Dazu gesellte sich der Fall Rafinha und die Niederlage in der Champions Legaue Qualifikation. Das Jahrhundertderby, ein unzufriedener Albert Streit und jetzt das Drama um Kevin Kuranyi.
Stimmen zum Spiel und die Highlights
1-1 Hamburger SV vs. Schalke 04 Goals - MyVideo
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