Da sind gerade mal ein paar Tage, in denen unser Verein wegen der anderweitigen Geschehnisse Ruhe haben könnte. Die Geschehnisse rund um Fiskus-Ulrich, den Aufkauf der Lüdenscheider durch die Bauern und auch die Resultate in der Champions League sollten eigentlich Zeit zum Durchatmen geben. Aber nein, unsereiner bemüht sich wie kein anderer Verein, auch unbedingt auf die Titelseiten kommen zu wollen.
Und dabei wird bekanntlich kein Fettnäpfchen ausgelassen. Der unrühmliche Vertrag mit einem sogenannten „Ticketzweitverwerter“, der nur deshalb kein Schwarzhändler ist, weil er eben in vertraglichen Beziehungen zu Schalke stehen wird, dessen Preise aber mit denen der Schwarzhändler an der Straßenbahnhaltestelle „Veltins-Arena“ durchaus mithalten können, war schon ein Meilenstein. Ruhmreich ist darüberhinaus auch nicht der Umgang mit diesem offenbaren Fettnapf. Wie der Chef am Münchener Oberlandesgericht im NSU-Prozess-Desaster weigert man sich tunlichst, Fehler einzugestehen und Fingerspitzengefühl walten zu lassen. Im Gegenteil. Rund um die Jahreshauptversammlung wird der Zirkus HalliGalli verpflichtet und -sehr sonderbar- ausgerechnet an diesem Tag gibt es einen Kartensonderverkauf für Mitglieder und die kommende Bundesligasaison. Man könnte meinen, zum Glück, dass nicht auch dieser Part von Vianogo übernommen wird, aber Pustekuchen. Natürlich dient vor allem diese Aktion der Sogwirkung. Möglichst viele Mitglieder sollen zur JHV kommen, am besten solche, die sich mit der Vereinspolitik nicht so sehr auseinandersetzen, damit es nicht zu einer Eskalation bei Abstimmungen kommt. Zu blöd nur, dass diese Aktion, die mutmasslich mit einer Event-Agentur geplant worden ist, gerade diejenigen zusätzlich mobilisiert, die sich denken, „jetzt erst recht“ müsse es einen Denkzettel für den Marketing-Vorstand geben. Eine schöne Veranstaltung wird es wohl nicht werden. Ich bin mal gespannt, wie die Alkohol-Policy am „Familientag“ so sein wird. Verhältnisse, wie seinerzeit im Machtkamp Rüßmann-Siebert und entsprechender verbalkrawalligen Atmosphäre wären dann vorprogrammiert.
Und wenn das alles noch nicht genug wäre, heisst es jetzt noch, ein gewisser Effenberg sei „Top-Kandidat“ auf den Trainerposten. Nun, davon sollte man sich nicht kirre machen lassen. Natürlich passt Effenberg nicht im Ansatz zu unserem Verein, aber vor allem: er war noch nie Trainer. Die Hörner abstoßen mag er sich bitte woanders, aber nicht bei einem Verein, der den sportlichen Erfolg wegen der finanziellen Strukturen wie kaum ein anderer benötigt. Aber ich glaube nicht an diesen vermeintlichen Deal. Wer hat diese Geschichte ins Rennen gebracht? Die Sport-Bild in Kooperation mit Sport 1. Wann erscheint die Sport-Bild? Am Mittwoch. Worüber redet ganz Fußball-Deutschland am Mittwoch? Über die Champions League. Ganz Fußball-Deutschland? Nein, ein gehöriger Teil der Schalker interessiert sich eher für Rosamunde Pilcher als für ein deutsches Finale in London. Aber auch die Sport-Bild redet an ihrem Erscheinungstag nicht über das Top-Thema, denn sie hat bereits Redaktionsschluss. Um das Heft dennoch zu verkaufen, bietet sich ein Effenberg-Gerücht als Auflagemotor doch geradezu an. Dementsprechend sehe ich die Gerüchte tatsächlich nur als Gerüchte. Hinzu kommt, dass die Story doch der um die angeblichen Verhandlungen seinerzeit mit Oliver Kahn verdammt ähneln. Schalke dementiert nicht vehement, sondern sonnt sich in den Gerüchten, um hintenrum die „große Lösung“ als Trainer zu verpflichten. Dass es so kommen wird, dafür spricht auch, dass in diesem Jahr die Wiederwahl von Clemens Tönnies als Aufsichtsrat ansteht. Dafür will und wird er den Leuten etwas bieten wollen. Mal gucken, ob es ihm gelingt, wobei die Hauptverantwortung für den Coup natürlich bei Horst Heldt liegt.
Schauen wir mal. Wegen dieser ganzen Fettnäpfchen ist es auch mal wieder soweit, dass sich viele Schalker frustriert über den Verein zeigen. „Wenn Effenberg kommt, gehe ich“, so lauten sinngemäß die Aussagen. Das wiederum kann ich nicht nachvollziehen. Schalke ist, Schalke bleibt mein Verein, da kann noch so viel passieren. Vielleicht ist es wie mit der Religion. Manche glauben an Gott, treten aber dennoch aus der Kirche aus, weil sie mit der Organisation Kirche nicht einverstanden sind. Regt Euch also lieber über den betreffenden Verantwortlichen auf, übt Opposition, aber immer im Kopf behalten: Schalke, das sind wir. Sonst keiner.